Star Wars: Die Welt braucht Jedi-Ritter

Eine neue Hoffnung gegen die dunkle Bedrohung

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Star Wars: ein moderner Mythos, weit mehr als filmische Luftschlachten, Explosionen und Kampfchoreografien. Es geht um unsere dunkle Seite und wie sie stärker und stärker wird, wenn wir nichts gegen die kleinen Schwächen tun. Der Kampf der Jedi ist unser Kampf. Nehmen wir in auf uns?

Star Wars ist bereits für viele ein Begriff, obwohl sie vielleicht noch niemals selbst einen Film gesehen haben. Die Filmreihe hat bereits Kultstatus und ist fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Georg Lukas schuf einen Mythos, der die Geschichte der hellen und der dunklen Seite um das Ringen nach Macht erzählt. Mittlerweile erscheint die dritte Trilogie und einige Kritiker schreien auf, es wäre doch immer wieder das Gleiche. Doch ein Mythos trägt für jede Generation seine Wahrheit und auch unsere moderne Zeit – oder vielmehr die heutigen Menschen – brauchen Geschichten wie diese.

Die erste verfilmte Trilogie erschien um die siebziger Jahre und besteht aus den Episoden vier bis sechs. Die Galaxie wird vom bösen Imperator und seinem Gefolge beherrscht. Sie sind nicht nur böse, sie haben sich der dunklen Seite der Macht verschrieben. Die Macht ist eine alles durchdringende Kraft, die Leben gibt oder es auch zerstören kann. Sie besteht aus einer dunklen und einer hellen Seite. Doch in jener Zeit sind die Jedi, Vertreter der hellen Seite, längst geschlagen, getötet oder vertrieben worden. Es ist eine hoffnungslose Zeit. Inmitten dieser lebt Luke Skywalker, ein Niemand auf einem Wüstenplaneten. Seine Zieheltern werden eines Tages vom Imperium getötet und er will dadurch – anfangs angetrieben aus Wut – ein Jedi werden. Luke lernt den letzten Jedimeister Yoda kennen, der ihn von seiner Wut reinigt und zur absoluten Beherrschung seiner selbst und zu einem Ritter im Kampf für das Gute ausbildet. Er ist bereit, sich den letzten großen Prüfungen zu stellen und seinem Vater Darth Vader, einem Schüler des bösen Imperators, gegenüberzutreten.

Heute begreifen wir nur schwer, warum die Enthüllung des Darth Vader als Vater von Luke Skywalkers, solche Empörung und einen Schock im Publikum bewirkte. Dieses mechanische, skrupellose Wesen soll der Vater des lieb gewonnen, beseelten Protagonisten sein. Die Filme zeigen einen klaren Zusammenhang zur Situation der Gesellschaft der damaligen Zeit. Der Vietnamkrieg war schon zu Ende, doch protestierte die Jugend gegen die Verbrechen ihrer Eltern und wollte nichts mit ihnen zu tun haben. Sie will keinen Krieg, nein! und sie hält es auch nicht für möglich, jemals selbst solche Gräueltaten zu begehen. Das Bekenntnis „Ich bin dein Vater“ saß für eine ganze Generation tief in der Magengrube, musste sie doch zugeben, ihre eigenen Väter und Großväter waren für die vorigen Kriege verantwortlich und das Potenzial lag daher auch in ihnen verborgen. Zugleich liegt auch der Keim der Hoffnung in dieser neuen Generation, diesmal einiges anders zu machen und so manches im besseren zu hinterlassen, als ihre Eltern es taten.

Um die Jahrtausendwende erschienen die nächsten drei Teile, Episode eins bis drei, welche die Vorgeschichte über Darth Vader erzählt. Wie aus einem Jedi, Anikan Skywalker, dieser dunkle Lord wird und wie eine blühende Republik in ein totalitäres Regime, das Imperium, verfällt. Interessant ist, dass Anikan nicht aus einer Laune oder von Natur aus zur dunklen Seite wechselt. Er möchte das Beste für seine Familie und stürzt sich immer tiefer in ein Verderben, welches er nicht mehr umkehren kann. Mag es anfangs eine kleine Schwäche sein, eine egozentrische Liebe, immer das Beste zu wollen, wird diese im Kampf Gut gegen Böse immer größer und dominiert seinen ganzen Charakter. Das Fatale an der Wendung des vermeintlich guten Anikan zum bösen Darth Vader ist, dass er diese Wandlung selbst kaum bemerkt. Für ihn sind es immer nur kleine Schritte, wo er in guter Absicht, im Glauben zum Schutz seiner Familie zu handeln, immer grausamere Taten vollbringt. Die Verwandlung zu Darth Vader zeigt uns wie selbst liebevolle Menschen – und möglicherweise auch wir selbst –  grausam werden können. Eine kleine Schwäche, wie beispielsweise der Neid auf den Besitz des Anderen, wird mit dem Feuer einer guten Absicht, wie es der Schutz der eigenen Familie sein kann, zu Hass und letztendlich zu einem ganzen Krieg. Die Filme zeigen, dass auch wir zu seelenlosen, mechanischen Soldaten werden können, wenn wir einer kleinen Schwäche in uns immer wieder so viel Spielraum lassen, sodass sie wächst und uns irgendwann beherrscht.

Auf einem Wüstenplaneten wartet Rey, eine Heldin der neuesten Episoden, sehnsüchtig auf ihre Eltern, die sie zurückgelassen haben. Sie überlebt gerade mit Schrottteilen, die sie aus alten, in der Wüste liegenden Raumschiffen sammelt. Der Krieg der Sterne ist lange vorbei, die Jedi sind nur mehr ein alter Mythos, längst vergessene Hüter des Universums. Und die dunkle Seite? Eine neue Macht, die erste Ordnung erbaut ein totalitäres System in der ganzen Galaxie und dazu ist jedes Mittel recht. Mit einer monströsen Waffe ist es in der Lage, ganze Planeten zu zerstören und damit ist es vor jedem Widerstand gefeit. Die Hoffnung auf einen positiven Verlauf der Zukunft ist gering. Es gibt keine Helden mehr, manche versuchen im Schutz von Randzonen sich vor dieser Ordnung zu verstecken oder sie dienen dieser, um weiter ihr Leben genießen zu können. Doch es gibt Hoffnung, es gibt einen Widerstand der im Verborgenen Pläne gegen dieses riesige Monster der Zerstörung schmiedet. Und dann gibt es noch die Jedi, Helden die sich einst für den Schutz der Gemeinschaft eingesetzt hatten und unglaubliche Kräfte wecken konnten. Selbst ganz kleine Wesen, wie der einstige Yoda, konnte tonnenschwere Objekte werfen und wurde mehr als 500 Jahre alt. Und dies alles mithilfe der Macht, die alles durchströmende Urkraft, welche die Lebewesen verbindet.

Dies alles kennen wir auch von Luke Skywalker in den alten Filmen. Das Imperium war am Vormarsch und es gab nur eine Handvoll Rebellen, die dem Machtdrang Widerstand leisteten. Lukes Zieheltern kamen ums Leben, Wut förderte seinen Kampf gegen das Böse und er war schnell entschlossen, sich den Rebellen anzuschließen. Rey und Finn, der zweite Held der neuen Trilogie, hingegen flüchten erstmals und wollen nichts mit dieser aussichtslosen Schlacht zu tun haben. Sie zweifeln an sich und haben große Angst. Finn weiß, wie mächtig die neue Ordnung ist, er fürchtet die Größe seines Gegners und sieht keine Chance auf einen Sieg. Es ist sinnlos zu kämpfen, also am besten sich verstecken und auf ein möglichst langes, schadloses Leben an einem abgelegenen Ort hoffen. Rey ist in einer gewissen Weise naiver, sie weiß wenig über ihren Gegner und sie glaubt an die Kraft der Macht und an die Jedi. Doch fürchtet sie ihre Eltern zu verpassen. Ist das eine Ausrede, sich dem Kampf nicht stellen zu müssen? Sich einer trügerischen Hoffnung hinzugeben und deswegen nicht seinem Schicksal zu folgen, ist ebenfalls Flucht. Und so kennzeichnet die neuen Protagonisten der Star Wars Episoden am Anfang großer Zweifel an ihren Fähigkeiten und ihrer Bestimmung im Kampf für das Gute aus. Ist das vielleicht eine Konzession an den heutigen Menschen, der auch an sich und seinem Schicksal (ver)zweifelt?

Zweifel plagen auch den Bösewicht Kylo Ren. Misslungenes kaschiert er mit Wutausbrüchen. Er möchte der dunklen Seite genügen, hat sich eine eiserne Disziplin auferlegt und trägt eine stählerne Maske wie einst Darth Vader. Aber nicht alles und jeder tanzt nach seinem Plan, und so lässt er öfters seinem ungezügelten Charakter freien Lauf. Er ist unsicher, ob er alles schafft, was von ihm verlangt wird, möchte sich beweisen und schöpft daraus Kraft, immer skrupelloser zu werden. Doch er erkennt auch zeitweise das Richtige und zweifelt an seiner Entscheidung für die dunkle Seite der Macht. Erst gegen Ende des Filmes sind die Fronten geklärt. Eine Schlucht trennt Gut von Böse. Der graue Schleier lichtet sich und jeder entscheidet sich.

Dies widerspiegelt die Zeit, in der die Filme gedreht wurden sehr deutlich. In den 1970ern war man klar entschlossen. Entweder man schloss sich einer politischen Gruppierung an, vertrat eine Umweltorganisation oder kämpfte in einer studentischen Bewegung um Gerechtigkeit. Man wollte gehört werden, für etwas einstehen, mit einem idealistischen Geist beflügelt, vielleicht auch öfters durch Wut angetrieben, aber rein im Herzen und voller Tatendrang. Wie sieht es heute aus? Welche grauen Bereiche kennen wir im Leben? Wir wollen eine ökologisch nachhaltige Welt für die Zukunft gestalten, greifen aber auch gerne zu Luxusgütern und wollen selten verzichten. Geiz ist geil, und so greifen wir zu fragwürdigen Angeboten. Wir wollen Freunde, aber bitte nicht zu nahekommen lassen, sonst könnten sie ja hinter einer Maske auf Dinge stoßen, die wir nicht zeigen wollen. Wir lassen uns emotional schnell begeistern, aber vergessen auch wieder nach kurzer Zeit unser Bestreben. Wir liken vieles, aber wofür treten wir wirklich ein? Wofür gehen wir auf die Straße und zeigen uns? Jeder Idealismus oder Drang in eine andere, neue Richtung zu gehen, wird mit rationalen Argumenten erstickt. Es mag schon auch Idealisten geben, aber die Zeit der radikalen, „Alles oder Nichts“- Einstellungen ist vorbei. Um die grauen Bereiche besser zu erkennen, hilft die Frage, was denn die dunkle Seite ist? Sie beschreibt eine scheinbare Abkürzung, einen schnelleren Weg zum Ziel ohne den  harten, langen Weg beschreiten zu müssen. Anikan Skywalker will das Beste für seine Familie und verliert das große Ideal der Jedi aus den Augen, er will schnell Macht über sich und sein Schicksal und alles andere ist nicht mehr wichtig. Genauso Kylo Ren, der schnell viel Macht in den Händen hält, weil er skrupellos nach dem Willen seines bösen Meisters handelt und so seinen Ehrgeiz auf kurzem Wege befriedigt.  Haben wir heute in unserer Gesellschaft eine besondere Affinität zur dunklen Seite der Macht?

Jede Zeit hat neben ihren Schattenseiten auch ihre Chancen, und es ist faszinierend, wie Star Wars hier unsere Epoche wiederspiegelt und uns zum Nachdenken anregt.

Die Kunst ist schon immer ein guter Spiegel der Gesellschaft gewesen und Filme wie „Star Wars“ können uns sehr gut zeigen, mit welchen Themen wir uns herumschlagen. Lassen wir uns entführen in eine andere Welt und achten wir auf die Botschaften, die zwischen den Zeilen auf uns warten.

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