GesundSein Die unterschätzte Kraft – Sekundäre Pflanzenstoffe in Obst und Gemüse

GesundSein Die unterschätzte Kraft - Sekundäre Pflanzenstoffe in Obst und Gemüse

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Kennen Sie sekundäre Pflanzenstoffe? Nein? Dann sollten Sie weiterlesen. Auch wenn der Name eher so klingt wie das, was zweitrangig ist und was man sowieso nicht braucht: Lassen Sie sich nicht vom Schein täuschen!

 

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m Englischen „phytochemicals“ genannt, umfasst dieser Begriff über 60.000 Substanzen mit vielfältigen gesundheitsfördernden Wirkungen. Sie sind es, die unseren Körper vor oxidativem Stress schützen, eine krebshemmende und antientzündliche Wirkung haben. Sie sind es aber auch, die unangenehme Flecken auf der Kleidung hinterlassen, denn sie sind oft farbintensiv wie dunkle Weintrauben, rote Tomaten, blaue Heidelbeeren – und auch Bitterschokolade! Und sie sind es, warum Bioprodukte gesünder sind als herkömmliche Obst- und Gemüsesorten.

Was hat es mit diesem Namen auf sich? Sekundäre Pflanzenstoffe sind keine direkte Quelle von Energie wie Eiweiß, Kohlenhydrate und Fette. Sie sind auch nicht lebensnotwendig wie Mineralstoffe und Vitamine. All diese werden als die „primären Pflanzenstoffe“ bezeichnet. Die Wirkung der sekundären Pflanzenstoffe ist eine andere: Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum manches Obst zu schimmeln beginnt und anderes daneben unversehrt bleibt? Sekundäre Pflanzenstoffe schützen das Obst, sie sind z. B. in der bunten Schale eines Apfels zu finden – viel mehr als im Fruchtfleisch. Wenn die Schale verletzt ist, ist die Schutzbarriere durchbrochen. Und wenn wir sie zu uns nehmen, dann schützen sekundäre Pflanzenstoffe auch den Körper vor Oxidationsvorgängen, vor ungewolltem Abbau bzw. Verderben. Das ist es, was man als „Antioxidantien“ bezeichnet. Also den Apfel in Zukunft besser mit Schale essen, denn dort sind über 50 Prozent der sekundären Pflanzenstoffe enthalten. „An apple a day keeps the doctor away“, sagt man in England. Doch sollte es ein Bio-Apfel sein, ungespritzt.

WARUM BIO GESÜNDER IST ALS NICHT-BIO

Nicht die Menge an Vitaminen macht das Bioprodukt gesünder, diese sind in beiden Produkten in ähnlichem Ausmaß vorhanden. Es sind auch nicht so sehr die Spritzmittel, die schädigen. Diese sind – leider vor allem für die Bienen und Insekten schädlich. Die Antwort, die uns direkt betrifft, sind die sekundären Pflanzenstoffe. Sie werden dann gebildet, wenn sich die Pflanze vor Schädlingen selbst schützen muss. Wenn sie gespritzt wird, gibt es kaum eine Notwendigkeit, sich zu schützen, da die Chemikalien der Pflanze die Arbeit abnehmen. Deswegen bedeuten weniger sekundäre Pflanzenstoffe weniger Schutz und auch weniger gesundheitsfördernde Wirkung auf den Menschen.

Sekundäre Pflanzenstoffe werden dann gebildet, wenn sich die Pflanze vor Schädlingen selbst schützen muss.

DIE KRAFT DER ALTEN SORTEN

Alte Obstsorten sind weniger ertragreich, wachsen langsamer, haben aber teilweise bis zu 50 Prozent mehr sekundäre Pflanzenstoffe als die neuen Sorten. Also beim nächsten Mal nicht den Granny SmithApfel kaufen, sondern eine alte Sorte wie den „Kronprinz Rudolf“ oder einen säuerlichen Lederapfel.

WO SIND SEKUNDÄRE PFLANZENSTOFFE ZU FINDEN?

Sekundäre Pflanzenstoffe sind vor allem in grünem, rotem, blauem und violettem Obst und Gemüse zu finden wie Rotkraut, Rote Rüben, Paprika, Karotten, Heidelbeeren etc. Also je bunter und vielfältiger, umso mehr davon. Wissenschaftlich ausgedrückt sind es Polyphenole, Resveratrole, Carotinoide, Phytoöstrogene etc. Das Gute daran: Wir brauchen die Namen nicht zu kennen, sondern uns mehr auf die Sinne verlassen, um sie zu finden. Der typische Geruch von Zwiebel oder Knoblauch, von Petersilie oder anderen aromatischen Kräutern weist auf diese Stoffe hin ebenso wie die intensiven Farben eines bunten Obst- und Gemüsekorbes.

DAS POSITIVE AM SCHÄDLING

In unserem Leben ist es ähnlich wie im Leben von Gemüse: Ein allzu reibungsloses Leben führt dazu, dass weniger Schutzmechanismen ausgebildet werden. Im Falle von Schwierigkeiten fehlt dann die Robustheit, die Kraft, die uns – und andere – im Falle von Schwierigkeiten gesund erhält. Ein gewisses Maß an „Schädlingen“ ist auch in unserem Leben gesundheitsförderlich –, sofern wir es als Anlass nehmen, unsere Resilienz täglich zu trainieren! Ap

ANDREAS STOCK, gebürtiger Salzburger, hat als Medizinstudent in Graz die Philosophie lieben gelernt. Heute lebt er in Villach als Praktischer Arzt mit einem Faible für Traditionelle Chinesische Medizin. Er leitet die Zweigstelle des Treffpunkt Philosophie – Neue Akropolis in Villach.

Andreas Stock

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