Heribert Holzinger, Autor bei Abenteuer Philosophie Magazin https://www.abenteuer-philosophie.com/author/heribert-holzinger/ Magazin für praktische Philosophie Thu, 28 Mar 2024 21:51:07 +0000 de hourly 1 Mit Mutter Erde zusammenleben https://www.abenteuer-philosophie.com/mit-mutter-erde-zusammenleben/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=mit-mutter-erde-zusammenleben https://www.abenteuer-philosophie.com/mit-mutter-erde-zusammenleben/#respond Thu, 28 Mar 2024 15:07:04 +0000 https://www.abenteuer-philosophie.com/?p=6814 Magazin Abenteuer Philosophie

Jahrhundertelang haben wir die Natur und Mutter Erde als Rohstofflager betrachtet. Heute ist der „große Wandel“ zu einem neuen Natur- und Weltverständnis in vollem Gange – fast unbemerkt von den Mainstream-Medien. Inspiriert wird dieser Wandel von alten Weisheitstraditionen, dem Beispiel indigener Kulturen und aktuellen, wissenschaftlichen Erkenntnissen. Jeder Einzelne kann zum Mitgestalter werden.

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Descartes und Newton schufen das Maschinenbild des Lebensim 17. Jahrhundert. Descartes behauptete, dass einzig der Mensch eine Seele in Form seines Geistes hat. Der Natur sowie Tieren und Pflanzen sprach er die Seele ab. Noch heute betrachten wir westliche Menschen die Erde und ihre Lebewesen als Ressourcen, die wir nach Belieben nutzen oder ausbeuten. Unser Verhältnis zur Natur ist geprägt von Kampf und Unterwerfung, denn Darwins Evolutionstheorie haben wir so interpretiert, dass nur die Stärksten überleben und sich durchsetzen.

Dabei vergessen wir: Sollten wir die Natur besiegen, gehören wir selbst zu den Besiegten. Derzeit verbrauchen wir global betrachtet jedes Jahr um 70 Prozent mehr Ressourcen als die Erde regeneriert. Der Living Planet Index, der die Populationen von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Reptilien und Amphibien erfasst, zeigt seit 1970 einen Rückgang der beobachteten Wildtierpopulationen um 69 Prozent.

130 bis 150 Pflanzen- und Tierarten sterben jeden Tag aus, weshalb wir uns heute im größten Artensterben seit dem Ende der Dinosaurierzeit vor 65 Millionen Jahren befinden. Dieser Verlust an Lebensvielfalt ist bedrohlich, da diese die Fähigkeit zum Ausbalancieren eines Ökosystems steigert. Je geringer die Biodiversität hingegen ist, umso mehr verringern Ökosysteme beziehungsweise auch die Erde als Ganzes diese Fähigkeit und es steigt die Gefahr eines Kollapses ganzer Ökosysteme. Als der Begründer der Gaia-Theorie, James Lovelock, bei einer Diskussion gefragt wurde, wie Gaia also das Gesamtökosystem Erde denn am Ende des 21. Jahrhunderts mit dann zehn oder zwölf Milliarden Menschen funktionieren werde, antwortete er nicht, dass Menschen dann ökologischer würden leben müssen. Er sprach auch nicht von neuen Technologien oder Arten des Wirtschaftens. Er sagte, am Ende des Jahrhunderts würden wohl eher nur noch etwaeine Milliarde Menschen auf der Erde leben.

Was brauchen wir für die Wende?

Die Fokussierung auf die Themen Klima und Erderwärmung wird von einigen Ökologen heute als Fehler betrachtet.

Denn dadurch leben viele Menschen in der Annahme, dass wir die Krise bewältigen können, indem wir den CO2-Ausstoß reduzieren. Es würde also genügen, E-Autos statt Autos mit Verbrennungsmotoren zu fahren und von fossilen auf regenerative Energien umzusteigen.

Eine Technologie durch eine andere zu ersetzen, ändert allerdings nichts an den Wurzeln des Problems, das sich im Artensterben ausdrückt. Wie Einstein sagte, können wir ein Problem nicht durch dieselbe Art des Denkens lösen, die es hervorbrachte. Und die Wurzel des Übels liegt wohl eher in dem Weltbild, dass wir von Descartes, Newton & Co geerbt haben: uns als Menschen getrennt von Natur und Mutter Erde zu fühlen.

Um das Problem an der Wurzel zu packen und die Ausbeutung der Natur zu beenden, fordern Stephan Harding und andere Wissenschaftler eine Lebensphilosophie, mit der wir die Erde und jedes Lebewesen als beseelt wahrnehmen. Der Begründer der Tiefenökologie, Arne Næss, sprach davon, dass jedes Lebewesen einen intrinsischen Wert hat und nicht auf den Wert reduziert werden darf, den wir Menschen ihm als Ressource beimessen.

Sich von der Natur berühren lassen und sie liebevoll berühren

Andreas Weber fordert in diesem Sinne eine „erotische“Ökologie. Wie können wir uns von der Natur wieder berühren lassen und lernen, sie liebevoll zu berühren? Das mechanistische Weltbild und die seit der Aufklärung einseitig betonte Rationalität und Logik haben unsere Sinneswahrnehmungen, das Bewusstsein unserer Gefühle sowie unserer Empathie verkümmern lassen. Die Natur wird hauptsächlich in Laboren und mit quantitativen Methoden untersucht und den Kindern in Klassenzimmern mit sterilen Schulbüchern oder Filmen nahegebracht.

Welche anderen sinnlichen Erfahrungen und Gefühle ermöglichen uns hingegen ein Waldspaziergang, die aufmerksame Betrachtung einer Blumenwiese oder einer einzelnen Blume, das Lauschen des Konzerts der Vögel vor dem Sonnenaufgang oder im nächtlichen Sternenhimmel zu versinken? Welch andere Erlebnisse ermöglicht uns die gemeinsame körperliche Arbeit mit anderen Menschen in einem Permakulturgarten?

Lernen, sich als Teil von Mutter Erde zu empfinden

Stephan Harding schlägt konkrete Methoden vor, wie wir uns mehr mit Mutter Erde verbinden können. So kann sich jeder einen Gaia-Platz in möglichst wilder Natur suchen, den er regelmäßig aufsucht, um sich mit der Seele dieses Ortes, dendort vorhandenen Pflanzen, Tieren und Steinen und mit der Seele der Erde zu verbinden. Oder man kann sich vorstellen, dass wir nicht „auf“ der Erde gehen, sondern „in“ der Erde:denn die Atmosphäre ist ein Teil des Lebewesens Erde.

Wir sind kein Subjekt, das distanziert der Natur gegenübersteht, sondern wir sind selbst ein Teil dieser Natur.

Aus Sicht der Gaia-Theorie sind wir so etwas wie Körperzellen im Lebewesen Erde: Wir haben einen gewissen Grad anAutonomie, aber wir unterliegen auch gewissen Begrenzungen, Naturgesetzen, in die wir uns harmonisch einfügen sollten und auch müssen. Die Erde als Ganzes umfängt uns wie eine Mutter, indem sie uns ihre nährende Substanz für unsere Körper zur Verfügung stellt, uns mit Milliarden von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismenumgibt, die außerhalb und zum Teil in uns und mit uns zusammenleben.

Welche Geschichte bestimmt Ihr Leben?

Nach Joanna Macy und Chris Johnstone gibt es heute drei Erzählungen, wie wir die Welt interpretieren und den Ereignissen Sinn verleihen können. Und es ist unsere freie Wahl, welche Geschichte wir wählen. Die erste Geschichte nennen sie „Business as usual“. Sie fokussiert auf die wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen, die unser Leben erleichtern und ist die „Erfolgsgeschichte“ der Moderne. Bei dieser Einstellung zum Leben werden die Probleme der Welt entweder als weit weg oder völlig irrelevant für unser persönliches Leben eingestuft. Die zweite Geschichte, die wir wählen können, ist „der fortschreitende Zerfallsprozess“. Vertreter dieser Geschichte sehen und akzeptieren den Niedergang im wirtschaftlichen Bereich, die Ressourcenerschöpfung, den Klimawandel, das Massensterben der Arten sowie soziale Spaltung und Krieg. Und sie nehmen resigniert an, dass der Prozess schon so weit fortgeschritten ist, dass der Punkt einer Umkehr unmöglich ist. Beide Geschichten führen in ihrem Ergebnis zu keiner Veränderung, denn während in Business as usual die Probleme nebensächlich sind und vermutet wird, dass wir sie durch noch bessere Technologie bald in den Griff bekommen, bringt es in der zweiten Geschichte nichts mehr, sich zu verändern.

Die dritte Geschichte ist „der Große Wandel“. Sie bezeichnet den Übergang der zum Scheitern verurteilten Wirtschaft der industriellen Wachstumsgesellschaft zu einer das Leben erhaltenden Gesellschaft, mit der wir die Selbstheilungskräfte der Erde unterstützen. Diese „ökologische Revolution“ ist das entscheidende Abenteuer unserer Zeit und dieser Prozess ist bereits in vollem Gange.

Der große Wandel findet gerade statt

Heute erleben wir zahlreiche Menschen und Bewegungen, die sich um nachhaltige und lebenserhaltende Lebens- und Wirtschaftsweisen sowie um Verbundenheit bemühen. Der Ökologe Paul Hawken spricht in seinem Buch Wir sind der Wandel von weltweit mehr als ein oder zwei Millionen Bewegungen, die sich für ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit einsetzen. Film-Dokus wie „Tomorrow“, „En quête de sens Die Suche nach Sinn“ oder „Code of Survival“ erzählen Geschichten von Menschen, die dabei sind, diese neue Philosophie zu entwickeln und zu leben. Auch auf YouTube findet man unzählige Beiträge von Menschen, die degradierte Gärten und Felder in fruchtbare Naturoasenverwandeln, welche im Einklang mit der Natur Nahrungsmittel fast im Überfluss produzieren.

Drei Formen, den Wandel zu gestalten

Nach Macy und Johnstone gibt es drei Dimensionen des Großen Wandels, die gleichzeitig drei Möglichkeiten des Engagements darstellen.

Zum einen sind dies „Protestaktionen“, mit denen versucht wird, Leben, Arten oder Ökosysteme zu retten. Kampagnen, Petitionen, Boykotte, Kundgebungen und direkte Aktionen haben in diesem Bereich schon zu vielen wichtigen Siegen geführt. Da es aber nicht reicht, der Zerstörung Einhalt zu gebieten, braucht es eine weitere Dimension: „Lebenserhaltende Systeme und Handlungsweisen“. Hier geht es um nachhaltige Landwirtschaft, Permakultur, Fair-Trade-Initiativen, Gemeinwohlökonomie, grünes Bauen: Diese und viele andere Maßnahmen tragen zum Patchwork einer das Leben fördernden Gesellschaft bei. Durch unsere Entscheidungen, wo und was wir einkaufen, wie wir arbeiten und wohnen, können wir die Entwicklung nachhaltiger Lebensformenfördern.

All das wird jedoch für sich nicht reichen: Denn diese neuen Strukturen werden sich nicht verankern ohne tief verwurzelte Werte, die sie aufrechterhalten.

Dafür braucht es die dritte Dimension: „Bewusstseinsveränderung“. Sie erwächst aus Veränderungen in unserem Herzen, unseren Köpfen und unserer Einstellung zur Wirklichkeit. Dazu gehören Weisheiten und Handlungsweisen aus den spirituellen Traditionen der Menschheit, die vielfach auf einer Linie mit revolutionären neuen Erkenntnissen der Wissenschaft wie jenen der Gaia-Theorie liegen.

Aus der Quantenphysik und der Systemtheorie hat sich ein ganzheitliches wissenschaftliches Paradigmaentwickelt, das eine neue Sicht auf das Leben und auf die Evolution bietet, getragen von einem Verständnis der Vernetzt- und Verbundenheit.

Wir selbst sind der Schlüssel

Gleichzeitig erleben wir heute in vielen Bereichen die Geburt einer neuen praktischen und spirituellen Philosophie, die dem Menschen dabei hilft, sich ganzheitlich zu entfalten. Der Philosoph Jorge Angel Livraga bezeichnet als entscheidenden Schlüssel zu einer nachhaltigen und naturverbundenen Gesellschaft den Menschen selbst. Er gründete die Organisation Neue Akropolis, die heute in etwa 50 Ländern weltweit Menschen in den Bereichen Philosophie, Kultur und Volunteering ausbildet. Der Kontakt mit den Weisheitslehren aller Kulturen erlaubt den Menschen, sich mit ihrer inneren Weisheit zu verbinden, um sich selbst dann in einen weiseren und besseren Menschen zu transformieren. Ausgehend von der eigenen Veränderung kann er ein harmonischeres Zusammenleben mit anderen sowie der Natur mitgestalten.

Das Ausmaß des heute vonstattengehenden Wandels wird von vielen nicht bemerkt, da die von Paul Hawken erwähntenMillionen von Menschen und Bewegungen nicht im Fokus der Medienberichterstattung stehen. Aber auch wenn von ihnenwenig zu hören ist, so ist es doch meine persönliche Ansicht, dass ihnen die Zukunft gehören wird. Gemäß dem tibetischen Weisheitsspruch:

Ein Baum, der fällt, macht mehr Krach als ein Wald, der wächst.

Literaturhinweis:
David Abram, Im Bann der sinnlichen Natur, thinkOya Verlag,2012
Stephan Harding, Lebendige Erde, Hugendubel Verlag, 2008
Joanna Macy, Chris Johnstone, Hoffnung durch Handeln, Junfermann Verlag, 2014
Andreas Weber, Lebendigkeit: Eine Erotische Ökologie, Kösel Verlag, 2014
Jorge Angel Livraga, Wichtiger als neue Schuhe sind die Menschen, die damit gehen, Abenteuer Philosohie Nr. 145

HERIBERT HOLZINGER ist Autor, Vortragender und Seminarleiter im Bereich der praktischen Philosophie, der Lebenskompetenzförderung und der Prävention. In den 2000-er Jahren war er Mitinitiator von GEA Aktive Ökologie – in Österreich. Wie Stephan Harding denkt er, dass wir die ökologische Krise nur lösen können, wenn wir lernen, alles als beseelt wahrzunehmen und Dankbarkeit gegenüber unserer Mutter Erde zu entwickeln.

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Im Zeitalter der Anonymität im World Wide Web, der Avatare und des Gender-Swapping haben wir Gelegenheit, vielfältige Rollen zu probieren, sie nach Belieben zu genießen, zu wechseln – und – wieder zu verwerfen. Gleichzeitig wird dadurch die Frage drängender, wer wir wirklich sind und ob es so etwas wie Sinn und Bedeutung in unserem Leben gibt.

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Im Zeitalter der Anonymität im World Wide Web, der Avatare und des Gender-Swapping haben wir Gelegenheit, vielfältige Rollen zu probieren, sie nach Belieben zu genießen, zu wechseln – und – wieder zu verwerfen. Gleichzeitig wird dadurch die Frage drängender, wer wir wirklich sind und ob es so etwas wie Sinn und Bedeutung in unserem Leben gibt.

Einer meiner Freunde ist beruflich erfolgreich und beliebt als Sozialpädagoge. Abends im Chatroom knüpft er als Sandra92 Freundschaften. Bei World of Warcraft ist sein Avatar ein kleiner knuffiger Zwerg, der es ganz schön drauf hat und derbe Flüche von sich gibt. Außerdem diskutiert und arbeitet er bei Wikipedia mit. Unter dem Pseudonym Brainbooster gilt er als intelligenter und korrekter Mitarbeiter. Es macht ihm Spaß, in diese Rollen zu schlüpfen. Gleichzeitig stellt sich ihm auch die Frage, wer er eigentlich ist – was ist seine Identität?

Tugenden als Weg zur Identität

Aus philosophischer Sicht bringt uns der Begriff Identität einer Lösung näher. Gibt es in diesen Rollen etwas, was „identisch“ bleibt, was sich nicht ändert? In der Bhagavad Gita (Kasten) heißt es dazu: Dein Sinnenleben ist’s allein, dass dich mit Stofflichem verbindet. Kurz ist’s und wechselnd, trag es mit Geduld. Die in sich selbst erstarkte Menschenseele, die über diese Dinge sich erhebt, in Freud und Leid sich gleich und ruhig bleibt, besteht in Ewigkeit.

Die indische Naturphilosophie empfiehlt uns, die äußere Erscheinungswelt mit ihren ständigen Veränderungen als etwas Illusorisches zu betrachten und uns im Leben mehr auf die beständigen Dinge zu konzentrieren. Gemeint sind damit überzeitliche Werte wie Liebe, Freundschaft, Mut und Gerechtigkeit. In der praktischen Anwendung geht es darum, diese Werte in sein Leben zu integrieren, sich also liebevoll, loyal, mutig und gerecht zu verhalten. Und zwar unabhängig davon, ob man dafür gelobt oder belohnt – oder gar getadelt oder verhöhnt wird. Die römischen Stoiker nannten solche Fähigkeiten virtutes (dt. Tugenden). Genau diese Tugenden galten schon Sokrates und Platon als unsere besten (inneren) Verbündeten. Sie sind wirkliche „innere Mächte“ und wer sie erobert, wird ausgeglichen, glücklich und hat echte und gute Freunde. Da sie „Bestandteil“ unserer unsterblichen Seele sind, erobern wir damit auch unsere Identität.

Wir sind das, womit wir uns identifizieren

Der Begriff Identität führt uns philosophisch noch auf eine zweite Spur, da er mit dem Wort Identifikation verwandt ist. Bei all den Möglichkeiten unterschiedlicher Rollen, die wir im Leben spielen, bildet sich unsere Identität durch das, womit wir uns identifizieren. Üben wir die Identifikation mit Vergänglichem, mit egoistischem schnellem und kurzem Vergnügen wie einer guten Mahlzeit, einem actionreichen Computerspiel oder einer Fernseh-Soap, mit der wir (uns) die Zeit „vertreiben“, bleiben wir ein oberflächlicher Mensch, hinterlassen keine Spuren und sind daher auch vergänglich – und – bald vergessen.

Ein Unseliger,
der nur kreist um sich selbst,
im Leben wird er dem Ruhme nachsehen
und doppelt sterbend untergehen,
im gemeinen Staub aus dem er entsprungen,
unbeweint, ungeehrt und unbesungen.“

Sir Walter Scott

Identität und Sinn

Dieser Spur folgend können wir auch eine Tür zur Frage nach dem Sinn öffnen. Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie, meinte dazu: „Um uns selbst zu finden, müssen wir uns selbst überschreiten.“ Es klingt nach Widerspruch, dass wir uns verlieren sollen, um uns zu entdecken. Frankl wollte damit erklären, dass es gut sei, ein Ideal, ein bedeutendes Ziel außerhalb unserer egoistischen Wünsche zu verfolgen, damit wir uns selbst finden – und – dadurch Sinn erleben können Wer sich mit einem Ideal identifiziert und sich ihm hingibt, kann also seine Identität viel leichter finden und Sinn und Bedeutung erleben.

Dazu eine Geschichte: Ein virtuoser Geiger gab in einer Stadt ein Konzert. Am Ende desselben folgte ein tosender, nicht enden wollender Applaus. Nachdem der Virtuose sich nach einigen Zugaben doch in die Garderobe zurückgezogen hat, klopfte es an der Tür – ein treuer Fan bat um ein Autogramm. Der Künstler schrieb gerade seine Widmung, als der Fan meinte: „Vielen Dank. Sie wissen gar nicht, was mir das bedeutet. Ich würde mein Leben dafür hingeben, wenn ich so Geige spielen könnte wie Sie.“ Darauf antwortete unser Geiger: „Wissen Sie – genau das habe ich getan.“

Was für eine schöne Anregung, um sich selbst auf die Suche zu begeben.

Info:

Die Bhagavad Gita ist eine mystisch-philosophische Schrift und Hindus betrachten ihre Lehren traditionell als Quintessenz der Veden. In diesem Werk formuliert Krishna für den Helden Arjuna die Quintessenz der Weisheitslehren der östlichen Naturphilosophie. Dieses Werk inspirierte nicht nur Mahatma Gandhi, sondern auch im Westen zahlreiche Philosophen und Poeten wie Arthur Schopenhauer, Johann Wolfgang Goethe, Alexander Humboldt, Hermann Hesse.

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